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Der Pfad zur linken Hand revisited: Physikstunde · 13 Juli 2025 by Medusa Cramer

Eine Maschinenhalle. Pulsieren einer Teilchenbeschleunigungsmaschine. Hasinger, PI, führt die Forschungskommission durch die Anlage.

Hasinger: Verehrte Damen und Herren der Forschungskommission, wir alle fühlen uns sehr geehrt durch ihren Besuch. Ich werde ihnen heute erläutern, woran wir in unserem „Strangelets“-Projekt arbeiten. Natürlich hoffen wir, dass wir sie von unserem Vorhaben überzeugen können und ihre geschätzte Kommission unser Forschungsprojekt unterstützen kann. Investitionen der Privatwirtschaft in die Forschung sind heute unverzichtbar, umso mehr freut es mich, dass ihre Bank diese Forschungskommission ins Leben gerufen hat. Ich – -
Forschungsrat A: Danke, Herr Hasinger. Kommen wir zur Sache. Erklären sie uns doch bitte kurz, was sie unter „Strangelets“ und „Seltsamer Materie“ verstehen.
Hasinger: Nun… Seltsame Materie – Strange Matter – bezeichnen wir auch als Strangelet. Ein Strangelet besteht aus Elementarteilchen, die das Strange-Quark enthalten und hier auf der Erde nicht in stabiler Form vorkommen. Strangelets werden als „seltsam“ bezeichnet, weil sie unter anderem nicht über dieselbe Kraft zerfallen, durch die sie entstehen. Zur Seltsamen Materie gehören auch die seltsamen Teilchen, strange particles. Diese Elementarteilchen weisen eine „Strangeness“ von S ungleich Null auf. Das erste seltsame Teilchen, das Kaon, wurde 1947 von Rochester und Butler mittels Nebelkammeraufnahmen von kosmischer Strahlung beobachtet.
Wir wollen nun mit dem Teilchenbeschleuniger, der da drüben durch einen kreisrunden Tunnel führt, solche Strangelets erzeugen und nachweisen. Gruppe geht durch den Raum zum Teilchenbeschleuniger.
Forschungsrat A: Sind diese „seltsamen Teilchen“ nicht irgendwie gefährlich? Sie verstehen, dass wir keine Risiken bezüglich allfälliger Schäden eingehen können.
Hasinger: Es existieren theoretische Überlegungen, dass von seltsamer Materie eine gewisse Gefahr ausgehen könnte. Beispielsweise könnten kleine Mengen von freier, seltsamer Materie normale Materie absorbieren und diese ebenfalls in stabile, freie seltsame Materie umwandeln… Da in der Natur bisher keinerlei Hinweise für die tatsächliche Existenz von Prozessen gefunden wurden, bei denen normale Materie durch freie, seltsame Materie in stabile, seltsame Materie überführt wird, geht man allgemein davon aus, dass bei künstlichen Prozessen keine Gefahr von der künstlich erzeugten, seltsamen Materie ausgeht.
Die Gruppe nähert sich dem pulsierenden Teilchenbeschleuniger.
Hasinger: Jedenfalls sind wir froh, dass der Teilchenbeschleuniger nun endlich ohne Einschränkung läuft. Unsere ersten Experimente sind sehr vielversprechend.
Forschungsrat A: Es besteht also keine Gefahr, dass die Welt in einem schwarzen Loch verschwindet, wie man das beim CERN befürchtet?
Gelächter in der Gruppe.
Hasinger: Nein, wirklich nicht. Selbst wenn wir – -
Eine Wolke von Strangelets taucht schnell auf und verschwindet wieder.
… Selbst wenn wir -
Forschungsrat A: Was war das? Haben sie das eben gehört?
Hasinger: Das wird irgendeine Interferenz in der Apparatur hier gewesen sein, kein Anlass zur Sorge. …Wo war ich stehen geblieben? Ah ja. Selbst wenn wir hier kleine schwarze Löcher erzeugen würden, so könnten diese nur über einen ganz kurzen Zeitraum existieren.
Forschungsrat A: Aber die Gegner solcher Anlagen behaupten doch, dass diese Mini-Schwarze-Löcher Materie, die ihnen zu nahe kommt, verschlucken und dadurch wachsen.
Hasinger: Ja. Hawking zerstreute diese Bedenken aber schon in den 70er Jahren damit, dass Schwarze Löcher Wärmestrahlung emittieren und damit Energie, also Masse, verlieren. Da dieser Prozess umso schneller erfolgt, je kleiner Schwarze Löcher sind, geht von ihnen – -
Eine Wolke von Strangelets taucht auf und verschwindet wieder. Alle sprechen plötzlich mit Micky-Mouse-Stimme. … Geht von ihnen keine Gefahr aus. Nanu?
Forschungsrat A: Herr Hasinger, es ist aber – - Was ist denn plötzlich mit unseren Stimmen? Wieso klingen die so seltsam?
Hasinger: Das weiß ich nicht. Dieses Phänomen erlebe ich zum ersten Mal hier drin.
/i>Strangelets tauchen wieder auf.
Hasinger: Ich frage mich, ob das vielleicht eine Wolke von Strangelets…
Forschungsrat A: Strangelets? Besteht denn eine Gefahr für –
Hasinger: Wie ich bereits sagte, ich… ch… ich fühle mich plötzlich so seltsam.
Strangelets zweimal hintereinander.
Forschungsrat A: Hasinger, was ist hier los? - – Strangelets – - Haben sie - – Strangelets – -dideldüdeldüdeldidadüdelda? Dideldüdeldida?
Hasinger: Dadeldü. Dadeldüdelda.
- – Strangelets – - Forschungskommission spricht wild durcheinander: Dideldü! Dideldadeldü! Dadadideldüdelda! Didadidadüdeldü!
- – Strangelets – -
Hasinger: Chnochochnochno!
Forschungsrat A: Chno? Chno??
Hasinger: Chno.
Forschungskommission: Chnochnochnochnochnochno….!
- – Strangelets – -
Dort, wo vorhin die einzelnen Stimmen verortet waren, nur noch zischende und furzende Haufen, die von Zeit zu Zeit traurig piepen.
- – Strangelets – -
Ein schwarzes Loch öffnet sich. Sog-artiger Klang. Dann Stille. Nur aufgeregtes, angstvolles Atmen von Hasinger. Nach einem Weilchen: Atmosphäre eines hallenden Burgraums. Ein Kaminfeuer brennt. Luzifer mit der Stimme von Forschungsrat A, sitzt an einem Tisch und pfeift ein Liedchen zu einem Musikstück ab kleinem Radio. Er beginnt, Geldstücke zu zählen.

Luzifer: Drei zwanzig, drei vierzig, drei sechzig, neunzig. Vier – -
- – letzte, kleine Fluktuation von Strangelets – -
Luzifer hört auf zu zählen:
Nanu?
Wirft eine Münze auf den Tisch, um zu hören, ob es der Klang eines Geldstücks war.
Luzifer: Nee. War wohl das Feuer. Vier zehn, vier –
Angstvolles Atmen Hasingers. Versucht, so still wie möglich zu sein.
Luzifer bemerkt Hasinger:
Ein Sterblicher? Was machst du denn hier. Schiebt das Geld beiseite.
Hasinger versucht zu sprechen, kann aber nicht.

Luzifer: Na?
Hasinger: Wo… wo bin ich? Wer sind sie? Ein Geist?
Luzifer: Der Herr der Geister. Und du bist wer?
Hasinger: Hasinger.
Luzifer: Hasinger. Soso. Was willst du hier?
Hasinger: Wo bin ich denn gelandet?
Luzifer: Was glaubst du, wo du hier bist.
Hasinger: Aber… aber das gibt’s doch gar nicht. Ein Unfall am Teilchenbeschleuniger, der Strangelet-Schwarm. Ich glaube, ein schwarzes Loch hat sich geöffnet. Irgendwie bin ich hierher verfrachtet worden. Ob ich wohl in einem Paralleluniversum bin?
Luzifer: Parallel-was? Jedenfalls war nicht ich es, der dich hierher abberufen hat. Andererseits: Mit der richtigen Disposition könnte es natürlich sein, dass du von selbst hergeflattert kommst… Was mache ich denn jetzt mit dir, nä? Bisschen Feuer an den zu schindenden Körper?
Hasinger: Wie? Ich… sie tun mir doch nichts an? Das alles ist ein einziger Alptraum.
Luzifer: Don’t worry. War nur ein Scherz.
Hasinger: Aber die Hölle gibt es doch gar nicht. Das hier bilde ich mir irgendwie ein. Womöglich bin ich in eine Art Koma gefallen und träume das alles. Wissen sie, wie ich hier wegkomme?
Luzifer: Wegkommen? Wohin? Hier gibt’s nur das hier. Kein Wegkommen.
Wie dem auch sei… wieviel hatten wir? Ah ja. Beginnt wieder mit dem Geldzählen. Vier zehn, zwanzig, dreißig –
Hasinger: Ich muss hier aber weg. Ich muss der Welt sagen, dass man falsch liegt. Dass alles schrecklich falsch läuft. Dass sie hier das Geld zählen und so weiter.
Luzifer: Ich bin nur ein Geist. Das Manna da (klimpert mit dem Geld): Alles nur Illusion.
Hasinger: Aber – aber ich kann sie sehen. Sie sind echt.
Luzifer: So echt, wie du mich haben willst, Baby. Aber vielleicht suchen wir jetzt doch mal eine schöne Kette für dich, sonst verschwindest du mir plötzlich wieder. Geht zu einer Truhe und wühlt in Metallwaren. Hm. Zu klein. Die ist zu kurz. Ja… die dürfte passen. Komm, Kleiner. Binden wir dich mal an hier.
Hasinger: Lassen sie mich – Hilfe! Ich will hier weg! Ich will – - -
Das schwarze Loch öffnet sich wieder, Sog-Geräusch. Wieder im Maschinensaal.
Hasinger: – - – hier weg!
Forschungsrat A: Hasinger? Hasinger! Was ist mit ihnen? Geht es ihnen nicht gut?
Hasinger erschrickt, weicht von Forschungsrat A zurück.
Hasinger: Lassen sie mich in Ruhe. Ich will nicht an die Kette!
B1: Kette? Welche Kette? Zu den anderen Räten: Er scheint zu halluzinieren. Holen sie Hilfe. Hasinger, wissen sie, wo sie sind? Wissen sie, wer ich bin?
Hasinger: Bin ich zurück? Ich bin tatsächlich zurück?
Forschungsrat A: Zurück – woher? Sie waren die ganze Zeit über hier. Es gab ein paar seltsame Geräusche aus der Maschine hier, dann sind sie irgendwie erstarrt und schauten ins Leere. Ich habe versucht, sie anzusprechen. Sie reagierten nicht.
Hasinger: Nicht weg? Aber… ich war woanders. Ein schwarzes Loch hat mich aufgesogen. Ein Schwarm von Strangelets… und dann die Hölle.
Forschungsrat A: Die Hölle? Zu den andern: Ich glaube, die Sache hier erübrigt sich. Leise: Ballaballa.
Hasinger: Nein, hören sie, das war real. Ich glaube, wir haben hier eben Strangelets erzeugt und die haben ein schwarzes Loch geöffnet, in das ich hineingezogen wurde. Das klingt jetzt völlig abwegig, ich sehe es ihren Gesichtern an. Ich werde – wir werden – beweisen, dass –
Forschungsrat A: Schreiben sie einen neuen Antrag, wenn sie wieder auf dem Damm sind. Ich meine, da oben, verstehen sie mich? Hilfe ist schon unterwegs. Auf Wiedersehen. Meine Damen und Herren, kommen sie, wir —- Strangelets —- Der gesamte Forschungsrat ist verschwunden.
Hasinger: Herr Forschungsrat? Die Damen und Herren Forschungsräte? Wo sind sie? Hallo? Hallo-o?

Visited 1:
Bei Luzifer in der Hölle.

Luzifer: … noch mehr Kundschaft? Heute läuft aber was. Treten sie näher, meine Damen und Herren, nur herein in die gute Stube, ha ha!
Angstgeschrei der Forschungskommission.
Luzifer (erschrickt die Forschungskommission mit Freude):
Uah. Kommt her, ich freß’ euch alle auf. – Haa-haa ha ha. Ein Lob auf Wissenschaft und Technik!
Panik, Angstgeschrei, verhallt und blendet aus.

Visited 2:
Bei Luzifer in der Hölle: Atmosphäre eines hallenden Burgraums. Ein Kaminfeuer brennt. Ferner Nachhall von Luzifer und dem Angstgeschrei der Forschungskommission.

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